Ölverbrauch und Motorschaden VW T5 – wie es begann

Wir haben unseren California Beach 2014 bewusst selbst konfiguriert, bestellt und nach über 5 Monaten voller Freude erhalten. Es bestand damals die Zwangsverknüpfung: Allrad+DSG=BiTDI. Probleme mit Ölverbrauch und Motorschaden VW T5 mit dem 180 PS BiTDI waren zu dieser Zeit bereits allgemein bekannt. Es war unser Glaube, dass nach vier Jahren Bauzeit Verbesserungen in die Serie eingeflossen sein sollten, sodass unser Motor nicht betroffen sein wird. Trotzdem haben wir unseren California immer schonend bewegt, kein Hängerbetrieb, keine Dauervollgasfahrten auf der Autobahn.

Unser California ist unser drittes Fahrzeug des Volkswagenkonzerns und wir wollen ihn, in Anbetracht des Kaufpreises 2014 von knapp 60.000 €, nicht nach sieben Jahren und weniger als 100.000 km verkaufen. Ein Fahrzeug mit hohem Ölverbrauch und unausweichlichem Motorschaden könnten wir auch nicht guten Gewissens weiterverkaufen – trotz derzeit höchster Gebrauchtwagenpreise (Sommer 2021).

„Ölstand prüfen!“

Am 27.11.2020 bei Kilometerstand 88.600 km ist zum ersten Mal innerhalb des Ölwechselintervalls die Meldung „Ölstand prüfen!“ gekommen und es fehlte ein Liter Öl. Der Ölverbrauch wurde von uns seitdem dokumentiert und wurde Ende Juni / Anfang Juli 2021 mit einer Ölverbrauchsmessung bei einem VW Nutzfahrzeuge Autohaus für den Kulanzantrag erfasst. Es wurde uns die Übernahme von einem Teil der Kosten für Material und Arbeitszeit zugesichert. Es ist die Rede von ca. 11.000 € Gesamtkosten. Kulanzregelungen sind vertraulich und erfolgen für jeden Einzelfall unter Berücksichtigung relevanter Umstände. Daher können wir an dieser Stelle keine Details nennen.

Unser Kenntnisstand im Juni 2021: für Fahrzeuge bis zu einem Alter von 7 Jahren und bis zu einer Laufleistung von 100.000 km kann Kulanz beantragt werden.

AGR-Kühler

Beim ursächlichen Teil für den unausweichlichen Motorschaden handelt es sich nach heutigem Kenntnisstand um den AGR-Kühler. Im Kühler löst sich eine Beschichtung und es gelangen in der Folge Partikel der Beschichtung und des Aluminium-Kühlers in den Motor. Im Brennraum schädigen sie die Laufflächen der Kolben. Aus den entstandenen „Kratzern“ kann nicht alles Öl von den Ölabsrteifringen mitgenommen werden. Dieses Öl verbrennt im nächsten Takt. Umgekehrt kann mehr Kraftstoff während der Dieselpartikelfilter-Regeneration ins Öl gelangen und dieses verdünnen, sodass der Effekt unter Umständen lange unentdeckt bleibt. Das deckt sich mit unserer Erfahrung. Ölverbrauch (beim genannten Schadensbild) und Ölverdünnung durch Regeneration sind aber sehr vom eigenen Fahrprofil abhängig, sodass dies keine Regel darstellt.

Motorschaden

Mit fortschreitender Schädigung der Laufflächen nimmt der Ölverbrauch weiter stark zu (habe von 2 – 2,5 l/1000 km gelesen). Irgendwann beginnt die Kompression zu sinken und der Motor verliert Leistung. In diesem Stadium ist der Motorschaden weit fortgeschritten.

Von Seiten des Nutzfahrzeuge Autohauses wird davon gesprochen, dass ein neuer „Rumpfmotor“ (Block, Kopf, AGR…) nötig ist. Die Anbauagregate werden sicherlich bleiben (Lichtmaschine usw.). Zusätzlich ist in jedem Fall der Oxidations-Katalysator und Dieselpartikelfilter zu tauschen, da der Filter von dem vielen verbrannten Öl stark mit Asche beladen wird, die nicht mehr wegzubekommen ist. Außerdem wird der Turbolader geprüft und bei erkennbaren Schäden auch getauscht.

Tipp: wenn der Motor draußen ist, kann easy nach der Kupplung / den Kupplungen (ob Schalter oder DSG) geschaut werden und die Kupplung(en) bei Bedarf gleich mit getauscht werden.

Rückrufaktion?

Eine Rückrufaktion oder ähnliches zum betroffenen AGR-Kühler hat nicht stattgefunden. Für mich als Diplom-Maschinenbauingenieur mit langjähriger Erfahrung in der Automobilbranche (Motorenentwicklung/Homologation) verwunderlich. Es handelt sich um einen sogenannten „bauartbedingten Mangel“ der am Kauftag bei VW bekannt war. Laut bild.de hat dieser Mangel unter allen verkauften 180 PS – Motoren (ca. 140.000) bereits 12.000 bei VW dokumentierte Motorschäden verursacht. Die Dunkelziffer ist also erheblich höher. Daher halten wir eine Kostenübernahme eigentlich für selbstverständlich.

Wie geht es weiter?

Aus diesem Grund werden wir uns zusätzlich an den Kundenservice wenden. Sobald es hierzu Neuigkeiten gibt werden wir es hier ergänzen.

Als nächstes steht die Reparatur im September an. Der Bus ist hierzu ca. eine Woche in der Werkstatt.

Fazit

Im Fall des bekannten Problems „Blumenkohl“ am Spoiler (Roof-Cutout-Body-Reinforcemt – RCBR-Modul) war Volkswagen sehr kulant und hat ohne Altersbeschränkung die komplette Maßnahme bezahlt inklusive Leihwagen (Dauer 8-10 Werktage).

Es bleibt spannend! Wir halten euch über Neuigkeiten in jedem Fall auf dem Laufenden…!